Nach 1990

Die Entwicklung in Dedelow nach 1990

Zur Kooperation Dedelow gehörten 1989 sechs spezialisierten landwirtschaftliche Betriebe. Das Jahr war für das Dorf und für die Landwirtschaftsbetriebe in Dedelow geschichtsträchtig.

In den Jahren nach der politischen Wende im November 1989 kam es für die Bauern in Dedelow, wie in der gesamten ehemaligen DDR, zu gravierenden Veränderungen. Diesmal hatten sie aber nicht die Erleichterung und Modernisierung der landwirtschaftlichen Arbeit zum Ziel. Viele Arbeitsplätze in der Landwirtschaft gingen verloren.

Das Leben in Dedelow veränderte sich grundlegend. Nur in den ersten Jahren nach der Wende gab es positive Entwicklungsansätze. 1999 lebten in Dedelow und seinen Ortsteilen noch 1143 Einwohner. Dabei war die Zahl in den beiden Ortsteile Steinfurth und Ellingen stabil geblieben. Der Bevölkerungsrückgang war in Dedelow durch den Wegfall vieler Arbeitsplätze in den landwirtschaftlichen Betrieben besonders krass. Ende Dezember 2001 zählte Dedelow 1.045 Einwohner einschließlich der Gemeindeteile Ellingen und Steinfurth, ein Jahr darauf sind es 1.033. Am 31.Dezember 2003 ist die Tausendergrenze bereits unterschritten: 977 Einwohner hat der Prenzlauer Ortsteil jetzt. 2004 sind es 981, im Jahr darauf 956 und 2006 nur noch 884 Einwohner. 2010 lebten noch 729 Einwohner in Dedelow. Am Stichtag 26. März ist 2012 aus dem Einwohnermeldeamt der Stadt zu erfahren, dass in Dedelow selbst 668 Menschenleben, Ellingen hat 87 Einwohner und Steinfurth 67.

Dass zeigt sich auch im Wohnungsbestand. 1997 wurde ein Eigenheimstandort erschlossen und dann auch bebaut, die Wohnblöcke wurden seit 1994 rekonstruiert bzw. modernisiert. Aber durch Arbeitsplatzabbau und damit bedingten Entlassungen und Wegzug entstand großer Leerstand.

 

Rückbau Lehrerblock Rückbau des Lehrerblock

Im Laufe der nächsten Jahre kam es durch Abriss zu gravierenden Veränderung im Dorfbild. Viele Gebäude wurden abgerissen.

2005               Silotürme der MVA

2006               Wohnblock am Bahnhof

2008               Ledigenwohnheim

2012               Gemeindezentrum, Turnhalle, Schornstein des Heizhauses,

2012/13         langer Wohnblock an der WoldegkerStrasse (Lehrerblock)

Abriss GemeindezentrumDas Gemeindezentrum ist abgerissen

Seit Januar 2012 ist der zweite Wohnblock der AWG in der Steinfurther Strasse Richtung Steinfurth freigezogen.

Mit dem Rückgang der Bevölkerung ging auch die Zahl der Kinder zurück. 1995 wurden Kinderkrippe und Kindergarten als eine Einrichtung zusammengelegt. Ihr Domizil war die „Alte Schule“. Im Jahr 2000 wurde dann die Kita gegründet. Ihr gehörte auch der Schulhort an. Sie zog in die untere Schuletage. Seit dem Schuljahr 2006/2007 ist Dedelower Grundschule wegen mangelnder Schülerzahlen geschlossen.

Gravierende Einschnitte gab es in der Infrastruktur. Der letzte Zug fuhr am 28.05.1995. Die Bahnstrecke wurde keine 100 Jahre alt. Sie stand schon einmal kurz vor dem aus. Das war nach Kriegsende 1945. Auf Befehl der SMAD baute man im Rahmen von Reparationen die Strecken der Prenzlauer Kreisbahn ab. Bis diese Arbeiten gestoppt wurden, waren nur noch 26,8 km Strecke übrig. Das waren die Strecken Prenzlau-Kutzerow und Dedelow- Falkenhagen.

alter BahnhofBild vom alten Bahnhof

 abgebaute Schienenabgebaute Schienen

 Im Herbst 2009 wurde durch den Abbau der Schienen die Bahnstrecke endgültig beseitigt. Die Schienen werden als Schrott verkauft. Nur Betonschwellen und Schotter sind übrig geblieben. In Dedelow blieben nur die Schienen am Bahnhof übrig.

Seit 2001 ist Dedelow ein Ortsteil von Prenzlau.

2003 ging der Flugplatz in Privatbesitz und erhielt den Status eines Sonderlandeplatzes. Im Oktober 2010 wird er endgültig geschlossen. Im Sommer 2011 hat an seiner Stelle in nur einer Woche die solarhybrid AG hat das Solarstrom-Kraftwerk Dedelow errichtet.

Bau der SolaranlageBeim Bau der Solaranlage

2004 schließt die Arztpraxis in Dedelow. Die Ärztin Frau Elsner geht in den Ruhestand.

2012 wird das „Landhotel“ wegen Insolvenz geschlossen.

Der gravierendste Einschnitt für Dedelow in letzter Zeit ist meines Erachtens, die Schließung der Bäckerei Kotschate zum Jahresende 2013. Ich fand es schon schlimm, als im Sommer des Jahres der Geldautomat geschlossen wurde. So war wieder eine Dienstleistung weg. Aber dann das!

Aber, es gibt auch Hoffnung!

Die Bäckerei verkauft an zwei Tagen der Woche wieder und ist auch in Prenzlau auf dem Markt vertreten ist.

Positiv sehe ich auch, wie sich nach dem Abriss des ehemaligen sogenannten „Lehrerblock“ der Blick auf die Kirche und das Mausoleum entwickelt hat. Besonders im Winter, wenn an den Bäumen keine Blätter sind, sieht das sehr einladend aus.

Kirche-MausoleumKirche und Mausoleum sind jetz schon von der Strasse aus sichtbar

Anfang September 2012 wurde ein 140m² großes Wandbild am Heizhaus übergeben. Es ist farbenfroh und vereint viele Motive, die auf Dedelow zutreffen.

Wandbild am HeizhausDas Wandbild am Heizhaus

Seit 2008 gibt es einen Radweg von Dedelow nach Prenzlau. Lange haben die Dedelower darauf warten müssen.

Die Agrarprodukte Dedelow GmbH hat 2013 investiert und einen neuen, modernen Kuhstall in Betrieb genommen.

Als am 08.Juli 2013 die Agrarprodukte Dedelow zum Tag der offenen Tür einlud, hatten ~ 500 Kühe schon einen Monat Zeit gehabt, sich an ihren neuen modernen Stall und das neue Melkkarussel zu gewöhnen.

neuer StallDer neue Stall

Die derzeitigen Umbrüche in Dedelow bergen auch großes Potential für eine positive Entwicklung. Ein Dorf, in dem man die meisten Leute kennt, wo man miteinander redet, feiert, lebt, für einander da ist. Das geht in kleineren Strukturen vielleicht einfacher. Aber es ist sicher auch nicht erstrebenswert, dass Jeder von Jedem weiß, was er gestern getragen hat und morgen zum Abendbrot essen wird. Dass die Strukturen zu klein werden könnten, davor brauchen wir vorläufig jedenfalls keine Angst haben. Es sind noch genügen großer Wohnblöcke da. Die durch den Abriss frei gewordenen Flächen wurden als Park bzw. Grünflächen gestaltet. Es sieht gut und gepflegt aus. Das Dorf bietet einen sehenswerten Anblick.

Blick ins DorfBlick ins Dorf

Zu einem persönlichen Höhepunkt für mich ist der jährlich stattfindende Adventmarkt des „Blumenhaus Maaß“ geworden. Besonders 2014, nach der Neugestaltung des Anwesens, war die Adventstimmung wunderbar. Alles war mit viel Herzblut und Liebe fürs Detail hergerichtet. Überall brannten Kerzen, es roch nach Advent. Sehr geschmackvoll war auch das zusätzliche Angebot, neben dem des Blumenhauses und die Möglichkeit zum Essen und Trinken. Man traf Dedelower und Auswärtige, war entspannt und hatte auch mal Muße für ein kleines Schwätzchen. Wann hat man das schon! Es war ein kleiner, aber feiner Weihnachtsmarkt.

 

 

 

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